Aschenputtel
Einem reichen Manne, dem wurde seine Frau krank, und als sie fühlte, daß ihr
Ende herankam, rief sie ihr einziges
Töchterlein zu sich ans Bett und sprach: "Liebes Kind, bleibe fromm und gut, so
wird dir der liebe
Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken, und will um
dich sein."
Als der
Winter kam, deckte der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab,
und als die Sonne im Frühjahr es wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann
eine andere Frau.
Die Frau hatte zwei Töchter mit ins Haus gebracht, die schön und weiß von
Angesicht waren,
aber garstig und schwarz von Herzen.
Abends,
wenn es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern mußte sich
neben den
Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah,
nannten sie es Aschenputtel.
"Nein, Aschenputtel, du hast keine Kleider, und kannst nicht tanzen: du wirst
nur ausgelacht." Als es nun weinte, sprach sie:
"Wenn du mir zwei Schüsseln voll Linsen in einer Stunde aus der Asche rein lesen
kannst, so sollst du mitgehen," und dachte: "Das kann es ja nimmermehr."
Seine Schwestern aber und die
Stiefmutter kannten es nicht und meinten, es müsse eine fremde Königstochter
sein,
so schön sah es in dem goldenen Kleide aus. An Aschenputtel dachten sie gar
nicht und dachten, es säße daheim im
Schmutz und suchte die Linsen aus der Asche. Der Königssohn kam ihm entgegen,
nahm es bei der Hand und tanzte mit ihm.
" Der
Königssohn sprach, er sollte es heraufschicken, die Mutter aber antwortete: "Ach
nein, das ist viel zu schmutzig,
das darf sich nicht sehen lassen." Er wollte es aber durchaus haben, und
Aschenputtel musste gerufen werden.
Da wusch es sich erst Hände und Angesicht rein, ging dann hin und neigte sich
vor dem Königssohn,
der ihm den goldenen Schuh reichte. Dann setzte es sich auf einen Schemel, zog
den Fuß aus dem schweren
Holzschuh und steckte ihn in den Pantoffel, der war wie angegossen. Und als es
sich in die Höhe richtete
und der König ihm ins Gesicht sah, so erkannte er das schöne Mädchen, das mit
ihm getanzt hatte, und rief: "Das ist die rechte Braut."